Wo Figurenstimme entsteht
Bildung, Beruf, Milieu, Alter und Herkunft beeinflussen Sprache, erklären sie aber nicht vollständig. Ebenso wichtig sind Temperament, Selbstbild, Machtposition und Beziehung zum Gegenüber.
Eine vorsichtige Figur spricht anders mit einer Vorgesetzten als mit einem Kind. Stimme bleibt also wiedererkennbar, ohne in jeder Situation identisch zu klingen.
Welche Merkmale helfen bei der Unterscheidung?
- Wortwahl: konkret, abstrakt, technisch, bildhaft oder umgangssprachlich.
- Satzbau: kurz und direkt oder ausführlich und verschachtelt.
- Direktheit: benennt die Figur Konflikte oder umkreist sie?
- Humor: trocken, selbstironisch, provokant oder gar nicht.
- Wissen: Welche Begriffe und Vergleiche liegen der Figur nahe?
- Tabus: Was würde sie kaum aussprechen?
Stimme und Beziehung gehören zusammen
Eine Figur spricht nicht im luftleeren Raum. Status, Vertrauen, Angst und gemeinsame Vergangenheit verändern Ton und Offenheit. Darum sollte Figurenstimme immer zusammen mit Gesprächsziel und Beziehung geprüft werden.
Für die Gesamtlogik siehe Dialoge schreiben; für unausgesprochene Bedeutung Subtext im Dialog.
Überzeichnung vermeiden
Wenn jede Figur ein auffälliges Sprachmerkmal bekommt, wirkt das schnell konstruiert. Besser sind mehrere kleine Unterschiede, die sich aus der Figur ergeben und im Verlauf konsistent bleiben.
Stimmen unterscheiden
- Welche Wörter nutzt diese Figur häufiger als andere?
- Wie direkt spricht sie?
- Wie verändert sich ihre Sprache je nach Gegenüber?
- Welche Themen vermeidet sie?
- Könnte man einzelne Zeilen auch ohne Sprecherangabe zuordnen?

TIEFER ARBEITEN
Dialogwerkstatt
Für die systematische Entwicklung von Figurenstimme, Gesprächszielen und wiedererkennbarer Sprache.
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